Biographie / biography 

Maria Kliegel – über die Künstlerin / about the artist

Maria Kliegel spielt Cello und auch Tennis, beides mit Leidenschaft, und sie weiß: in jeder disziplinierten Arbeit - im Cellospiel wie im Sport - liegt ein Quell wahrer Freude und Lebenskraft. „La Cellissima“ - der Name verselbständigte sich nach einer einmal so bezeichneten CD - verkörpert eine seltene Mischung von natürlicher Spielfreude, brillanter Technik und beseeltem Ausdruck. Ihrer Bühnenpräsenz und ihrer charismatischen Ausstrahlung kann sich niemand entziehen.

Studium und Wettbewerbe: zehnjährig begann sie das Cellospiel erst in ihrer Heimatstadt Dillenburg, studierte dann bei Prof. A. Molzahn an der Musikhochschule Frankfurt und nach dem Abitur bei Janos Starker an der Indiana University in Bloomington/USA. Erste  Preise folgten beim Amerikanischen Hochschulwettbewerb in Chicago, 1975 beim Ersten Deutschen Musikwettbewerb in Bonn und 1981 1. Grand Prix im „Concours Rostropowitsch Paris“ . Rostropowitsch nahm seine Preisträgerin gleich als Solistin mit auf Tourneen durch Frankreich und nach Washington/DC.

Beim klugen Janos Starker hatte sie sich eine perfekte und hochkultivierte Technik angeeignet. Die Begegnung mit dem leidenschaftlichen Mstislav Rostropowitsch l1977 ieß sie erkennen, daß diese „Hohe Kunst“ erst dann als Medium zwischen Publikum und Interpret glutvoll wird, wenn er bereit ist, bedingungslos sein Innerstes nach außen zu kehren.

... Zu den heimlichen ... Stars gehört die Cellistin Maria Kliegel. Sie verfügt über alle notwendigen Eigenschaften: traumhaft leichte, aber nicht perfektionistisch erstarrte Technik, hinreißende Intensität, glamouröse und trotzdem gewinnend lockere Ausstrahlung.... So machte sie mit Piazzollas „La Grand Tango“ Furore, mit sinnlichen Schluchzern und spürbaren Rhythmen auf der Tangowelle surfend .... (Der Tagesspiegel, Berlin)

Seitdem gehört Maria Kliegel auf dem internationalen Konzertpodium wie in Funk und Fernsehen zu den faszinierendsten Cellistinnen unserer Zeit: 1992 fulminanter Start in die Tonträger-Branche mit der Aufnahme des 1. Cellokonzerts von Alfred Schnittke - der Komponist nannte sie seine Referenzinterpretation, das Magazin FonoForum wählte sie zur „CD des Monats“.

   ... Bekenntnismusik, überwältigend dargeboten: klangrauschend, glühend intensiv, hochdifferenziert. ... Maria Kliegel leistet jeweils totale Werkidentifikation und profiliert sich als deutsche Cellistin von Weltklasseformat. ... (CD-Klassikführer)

Beim Label Naxos hat sie auf schon weit mehr als 30 CDs das gesamte Standardwerk der Celloliteratur eingespielt. Das beginnt mit Dvoraks Cellokonzert.

... Her marvelous Dvorak Concerto is full of the most poignant but tasteful touches. The first thing that struck me is the incredible vocal quality of her playing. And the closest I can come to describing is the voice of Maria Callas. Like Callas (in her best years) Kliegel’s playing possesses a huge expressive range, a palpably dramatic quality that can, seemingly, communicate any emotion. She can even, like Callas and the late tenor Richard Tucker, crack her “voice” at climactic moments... (The Listener, USA/Canada)

Es setzt sich fort über alle anderen Schlachtrösser der Klassik, Romantik und Moderne bis zur Gegenwart. Dazu gehört aber auch viel Unbekanntes, Amüsantes, Wertvolles und Hörenswertes, oft selbst entdeckt: weltweit immer neue enthusiastische Reaktionen bei Fachpresse und Publikum wegen ihrer überzeugenden und gültigen Interpretationen und nicht etwa wegen geschickter Künstlerpromotion des Plattenlabels.

... Kliegel has all the virtues: beautiful “singing” tone. perfect intonation, marvellous style and exquisite taste. Kliegel’s feeling for rubato sets a stunning standard of excellence and her playing is right up there at the level of today’s finest ... (In Tune, Japan)

Mit weltweit rund einer Million verkaufter Silberscheiben ist „La Cellissima“ international die Nr. 1 im Verkauf des Cellorepertoires auf CD. Dazu kommen Auszeichnungen in der internationalen Fachpresse, so für ihre Schumann- und Brahms-Aufnahmen die „Editor’s Choice“ im britischen Gramophone.

... this is, quite simply, one of the finest cello ... discs to have appeared for some time, and its virtues are reflected by the sheer quality of her playing. It certainly offers a glowingly accurate impression of Maria Kliegel’s magnificent, and frequently titanic cello playing... (Gramophone, England)

Ausgezeichnet wurden auch die Solosuiten von Bach mit dem „Supersonic Award“ im Luxemburger Pizzicato und als „CD des Monats“ im Magazin Stereo. Für die Aufnahme aller Cellowerke Kodálys und für die Bach’schen Solosuiten gab es „Grammy“-Nominierungen.

... Kliegel gelingt ein beredter Spielfluß, der es nicht nötig hat, die Rhetorik-Klischees mancher Alte-Musik-Spezialisten zu bemühen. So hat man nach dem knapp zweieinhalbstündigen Durchgang durch den gesamten Bach’schen Kosmos das Gefühl, nicht nur einen Interpreten, sondern auch einen Menschen ein wenig kennengelernt zu haben. ...(Klassik-heute)

Zeitgenössische Komponisten widmen ihr neue Werke, etwa Harald Banter, Jörg Demus oder Lera Auerbach. In ihrer glühenden Verehrung für Nelson Mandela konnte sie den Komponisten W. Kaiser-Lindemann bewegen, ihr eine „Hommage à Nelson M.“ für Cello und Schlagzeug zu schreiben. Der südafrikanische Präsident hörte von der Uraufführung des Werks in Düsseldorf und von der Erstaufführung am Heritage Day in Kapstadt; er lud die Künstlerin wenig später - ganz gegen seine sonstigen  Gepflogenheiten - im November 1997 zu einem Privatkonzert in seine Residenz nach Kapstadt ein. Seit diesem unvergessenen Höhepunkt ihres Lebens versucht sie unermüdlich, mit ihrem Instrument und ihrer Musik Innenwelten von Gefühl und Empfindung anzurühren, in denen Worte versagen. Nach dieser aufwühlenden Begegnung gibt sie bis heute zahlreiche Benefizkonzerte für den Nelson Mandela Children’s Fund, aber auch für zahlreiche Hilfsprojekte in Südamerika oder für die Kinder-Krebshilfe in Deutschland. Als Dank dafür und als Anerkennung für ihr Engagement in der Jugend- und Nachwuchsarbeit verlieh ihr Ministerpräsident Clement 1999 den Verdienstorden des Landes NRW.

Seit 1986 ist die „Grande Dame des Violoncellospiels“ (Welt am Sonntag) Professorin an der Kölner Musikhochschule und gibt auch in internationalen Meisterkursen ihre instrumentaltechnischen, musikalischen und menschlichen Erfahrungen und Kenntnisse weiter. Was alles die Antipoden Starker und Rostropowitsch in ihrer Gegensätzlichkeit ihr früher vermittelten, verschmilzt in ihrer eigenen Lehrtätigkeit zu einer weiterführenden völlig neuen kreativen Einheit. Als großartige überzeugende Künstlerpersönlichkeit ist sie gefragtes Mitglied für Internationale Wettbewerbe, beim ARD Wettbewerb München, bei der Unisa Competition Pretoria, der Leonard Rose Competition Washington/DC, dem Paulo Wettbewerb Helsinki oder dem Casals Wettbewerb Kronberg.

Kammermusik bedeutet für sie seit jeher Erweiterung ihres musikalischen Horizonts. „Sie ist pure Inspiration für meine solistische Laufbahn und wirkt wie prickelnder Champagner“, sagt sie selbst. Nach diversen ad-hoc-Ensembles auf Festivals - etwa Lockenhaus oder das Risør-Festival in Norwegen mit Leif Ove Andsnes und dem Artemis-Quartett - gründete sie deshalb 2001 zusammen mit Ida Bieler (Violine) und Nina Tichman (Klavier) das Xyrion Trio, von Publikum und Fachpresse enthusiastisch gefeiert und bereits mehrfach mit dem Beaux-Arts-Trio verglichen. Es beweist seinen hohen Rang mit der Gesamtaufnahme aller Klaviertrio-Kompositionen Beethovens für Naxos. Von 2007 an wurde ihm die künstlerische Leitung des Festivals „Andernacher Musiktage auf Burg Namedy“ anvertraut.

In ihrem 2006 veröffentlichten, multimedialen Buch- und DVD- Projekt Schott Master Class – Cello: Mit Technik und Fantasie zum künstlerischen Ausdruck über Cellotechnik und „berühmt – berüchtigte“ Stellen (gespielt und analysiert) geht sie ganz neue Wege und erhielt im Jahre 2007 renommierte Preise dafür:
in Düsseldorf den Sonderpreis der Digita (beste deutsche Bildungssoftware) und in Berlin den europäischen Medienpreis Comenius EduMedia – Siegel. Die englische Version   Cello-Master Class " Using Technique and Imagination to achieve Artistic Expression" ist seit Dezember 2010 im Vertrieb des Labels Naxos und weltweit erhältlich.

Maria Kliegel spielt ein Cello von Carlo Tononi, Venedig, ca. 1730.

Dr. Diether Steppuhn